Saisonabfahrt 2011

Morgonauten-Treffen

Blitzeblank zur „Saison-Abfahrt“

Sie haben drei Scheibenwischer, nicht selten sogar acht Zylinder und jede Menge Chrom: Wer einen „Morgan“ fährt, liebt sein Auto. Am Sonnabend trafen sich 15 Morgonauten, wie sich die Fans der englischen Kultmarke augenzwinkernd nennen, bei Karl-Heinz Fritze am Vorwerk in Bremervörde.

Start am Vorwerk

in Bremervörde: Auch Hund „Flocke“ ist stilecht mit Brille im „Morgan“-Fieber. Der Bremervörder Karl-Heinz Fritze, seit vielen Jahren leidenschaftlicher Fan der englischen Kultmarke, hat den Ausflug der „Morgan“-Fahrer mitorganisiert. ---------------------------------------------------------------------------------------

Mit dem Achtzylinder geht‘s auf die Piste

Jeder hat seinen eigenen Zugang zu dem kleinen, engen Flitzer, der auch schon mal liebevoll „Moggi“ genannt wird. Karl-Heinz Fritze sieht in seinem „Morgan“ so etwas wie das „Urvieh“ des Automobils. „Keine Servolenkung, das ist einfach ein ganz anderes Fahren“, schwärmt der Steuerberater vom puristischen Fahrspaß in seinem grünen Roadster. Auch die ziemlich robuste Federung wird von „Morgan“-Lenkern geschätzt. Das richtige Outfit darf nicht fehlen. Zur „Saison-Abfahrt“ tragen viele anglophile Cabriofreunde stilechte Ledermützen oder spektakulären Brillen gegen den Fahrtwind.

„Moggi“-Alarm auf der Neuen Straße in Bremervörde: Seit 1908 verzaubert die englische Kultmarke Autofans in der ganzen Welt.

Nach der Stärkung mit Lachshäppchen und Kaffee geht es weiter in Richtung Bremerhaven. „Dort besichtigen wir ein großes Fahrzeugtransportschiff“, erzählt Fritze, greift nach dem Telefon und hat alle Hände voll zu tun, weil ein Clubmitglied irgendwo bei Karlshöfen mit einem „Platten“ liegen geblieben ist.

Nach der Besichtigung geht es in Richtung Loxstedt zum Gasthof „Alte Lune Schleuse“, wo sich die graumelierte „Morgan“-Fans, die von Schwerin bis Hannover angereist ist, beim Mittagessen stärkt. Danach fahren die Morgonauten nach Fischerhude, wo sich die harte „Moggi“-Federung auf dem heftigen Kopfsteinpfaster beweisen muss. Abends entspannen sich die Fahrer schließlich bei einem Konzert des Saxophonisten Bernd Schlott.

Auch wenn Markenbewusstsein und Markentreue an diesem Sonnabend gefeiert werden, zeigen sich die Fahrer der Kultautos tolerant: Ein „Triumph“, noch so eine englische Kultmarke, „darf“ in der Kolonne mitfahren...

     
Fahrspaß mit dem „Urvieh“ des Automobils – der Bremervörder Karl-Heinz Fritze mit seinem Roadster. PS-Gespräche: Zwei „Morgan“-Fahrer fachsimpeln über ihre „Moggis“. Der Itzehoer Jürgen Bosse lässt sich bereits seit 25 Jahren im „Morgan“ den Wind um die Nase wehen. „Davor bin ich ,Lotus‘ gefahren.“
     

Mit freundlicher Genehmigung der
Bremervörder Zeitung
Fotos: Thomas Schmidt

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"Am Rande"

Lob des klassischen Geschmacks

„So viel Hässlichkeit war selten.“ Dieses Fazit zieht der renommierte Design-Professor Paolo Tumminelli nach der jüngsten Automobilmesse (IAA) in Frankfurt. Einem „Spiegel“-Bericht zufolge bezeichnete der Experte etwa den breiten Schacht zwischen Frontscheibe und Motorhaube beim neuen VW Beetle als „Design-Horror“. Schlechte Noten bekommt auch der neue, eigentlich doch sehr niedliche neue Mini-Coupé. „Ich glaube, an der Tankstelle würde man mit diesem Auto hin und wieder gefragt, ob man das Heck selbst gebaut hat“, vermutet Paolo Tumminelli. Warum ist es nur so schwer, ein Auto zu entwerfen, dass in geschmacklicher Hinsicht nicht überall aneckt, mögen die Kotflügel auch noch so aerodynamisch abgerundet sein? Vielleicht ist die Orientierungslosigkeit der Autodesigner der Gegenwart ein Grund für die Sehnsucht vieler Autoliebhaber nach der klassischen, weil zeitlosen Form. Die Liebhaber der englischen Kultmarke „Morgan“ etwa, die sich am Sonnabend in Bremervörde zur Ausfahrt zwischen Elbe-Weser trafen, lieben denn auch den Purismus, die schnörkel- und zeitlose Eleganz ihrer Autos – nachzulesen auf Seite 15 in dieser Ausgabe. Ein Philosoph, der zwar vor der großen Zeit des Automobils lebte, hat diese Haltung wunderbar auf den Punkt gebracht, ohne auch nur ahnen zu können, wie die Motorisierung die Welt verändern würde: „Der klassische Geschmack: das ist der Wille zur Vereinfachung, Verstärkung, zur Sichtbarkeit des Glücks, zur Fruchtbarkeit, der Mut zur psychologischen Nacktheit“, heißt es bei Friedrich Nietzsche.

Thomas Schmidt
Bremervörder Zeitung